Herrenwyk war bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ein typischer Arbeiterstadtteil Lübecks. Das Ortsbild wurde vor allem durch das Hochofenwerk und die Flender Werft im benachbarten Siems geprägt.

Das Industriemuseum beschäftigt sich mit einem sehr wichtigen  Zeitabschnitt der Lübecker Geschichte. Jahrhunderte lang hatte die Stadt hauptsächlich vom Handel gelebt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung, die sich im 20. Jahrhundert zum Motor des Lübecker Wirtschaftslebens entwickelte. Das Hochofenwerk, Werften, Maschinenbau und Lebensmittelverarbeitung waren die bedeutendsten Wirtschaftszweige, die besonders in den 1950er Jahren, zur Zeit des »Wirtschaftswunders«, Zehntausenden von Arbeitskräften Beschäftigung boten. Seit den 1980er Jahren sind immer mehr Firmen verschwunden, Tausende von Arbeitsplätzen gingen verloren, was zu großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen in der Stadt führte.

Die Geschichtswerkstatt Herrenwyk begann ihre Aktivitäten als Projekt des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte in den Jahren 1983 bis 1985. Eine erste Ausstellung, die nach einigen Monaten wieder geschlossen werden sollte, hatte einen so großen Erfolg in Lübeck, aber auch im ganzen Land, dass die Stadt sich entschloss, eine Dauereinrichtung daraus zu machen, die sich mit der Erforschung und Darstellung der Geschichte der Industrialisierung der Stadt und benachbarter Themen befasst. Unterstützt wird sie in ihrer Arbeit durch einen Förderverein, den »Verein für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur«.

Das Industriemuseum ist neben Sammlungen in Elmshorn, Neumünster und Kiel eines von wenigen Museen seiner Art in Schleswig-Holstein. Diese Museen erarbeiten auch gemeinsame kulturhistorische Ausstellungen, die dann in den einzelnen Häusern gezeigt werden.